Dienstag, 10. April 2018

Inselzeit



Es ist erstaunlich wie weit ich von meinem Alltag entfernt bin seit ich auf der Insel weile; sobald ich mit der Fähre übergesetzt hatte war ich in einer anderen Welt. Seit mehr als drei Wochen befinde ich mich im Niemandsland, hier gehen die Uhren langsamer und meine Verpflichtungen beschränken sich darauf auf- zustehen, mich dreimal täglich an den gedeckten Tisch zu setzten und ein wenig was für meine Gesundheit zu tun. Der einzigste Stressfaktor ist, wenn der Wunsch am Strand spazieren zu gehen nicht zu vereinbaren ist mit der im Plan vorgesehenen Therapie. Spätestens nun wird es offenbar, ich befinde mich in einer Reha- Maßnahme. 

Wie sonst könnte ich vier Wochen Urlaub am Meer machen, wann sonst habe ich die Gelegenheit, so ganz von allen Verpflichtungen enthoben einfach nur zu sein und danach zu trachten es mir gut gehen zu lassen . . . Das Leben bzw. die Mitarbeiter der deutschen Rentenversicherung meinten es gut als sie mir, nach reiflicher Prüfung und langer Bearbeitungszeit, diese Auszeit bewilligt haben. 

Nun bleiben mir noch einige, wenige Tage hier auf der Insel, so ganz weit ab vom Alltag und mit jedem Tag wird auch das Heimweh größer, so dass ich, wenn es soweit ist, gerne wieder meine Koffer packe, mich auf die Fähre begebe und die Insel in der Ferne verschwinden lasse. Aber bis dahin geht es immer wieder an den Strand, Muscheln suchen und vielleicht doch noch eine Flaschenpost finden . . . 


Angelika 




Muscheln am Strand auf Föhr






Sonntag, 1. April 2018

Das Leben mit dem Tod





Meine Schwester Rabea und ich sind uns einig, seit unsere kleine Schwester nicht mehr lebt ist es anders, das Leben und überhaupt; seit dem Tag an dem sie gestorben ist hat der Tod einen Platz in unserem Alltag. Den hatte er vorher auch denn er war immer wieder Thema unserer Gespräche doch mit ihrem Sterben blieb er einfach da als sie ging . . . 

Es blieb ein Bewußtsein seiner Gegenwart und das zuvor nur theoretische Wissen, dass das Leben endlich ist, entwickelte sich zu einem Gefühl, einem Lebensgefühl; kaum zu beschreiben doch allgegenwärtig, eine gewisse Gelassenheit geht von ihm aus. Und wie von selbst werden Prioritäten neu gesetzt, was ist mir wichtig und was entpuppt sich als belanglos, wie verbringe ich meine Zeit die mir nunmehr kostbarer erscheint als je zuvor.

Meine Schwester Rabea und ich sind uns einig, unsere kleine Schwester fehlt uns an jedem neuen Tag aber mit ihrem Sterben schenkte sie uns die Erkenntnis, dass der Tod zum Leben dazugehört, dass ihm ein Platz in unserer Mitte gebührt. Das Leben ist schön, gerade weil es endlich ist !

Unsere kleine Schwester fand den Gedanken schön, daß ihr Leib zu Erde wird. Ich glaube fest daran, das unsere Seelen irgendwo eine Heimat haben in die sie nach ihrem irdischen Dasein zurückkehren. 

Angelika



Dünne am Strand von Föhr








Sonntag, 24. Dezember 2017

Weihnachten in der Küche


Die besten Partys finden bekanntlich in der Küche statt, wo sonst ist es derart behaglich und Herd und Kühlschrank so verführerisch nah, wo sonst darf gegessen, geraucht, geträumt und hemmungslos getratscht  werden. Und weil die Küche das Herz des Hauses bzw. einer Wohnung ist und Liebe nun mal durch den Magen geht, fühle ich mich hier an langen, kalten Winterabenden besonders geborgen. So auch heute, am Heiligen Abend; gerade heute wollte ich in meiner selbstgewählten Einsamkeit nirgendwo anders sein als hier, in meiner Küche. 

Vielleicht ist es das Alter und die Tatsache, daß ich es gut mit mir selber aushalte, vielleicht ist es der Wunsch nach Stille und die Sehnsucht nach dem Geist der Weihnacht, vielleicht aber wollte ich einfach nur Ruhe nach Tagen voller Umtrieb und Verpflichtungen, überfüllter Geschäfte und Straßen . . .
  
Ach, wahrscheinlich von allem ein wenig und ich fand von allem ganz viel in der trauten Abgeschiedenheit meiner Küche. Vergessen die nicht geschriebenen Weihnachtskarten, der nicht gebundene Adventskranz und der ins Wasser gefallene Weihnachtsmarktbummel. Vergessen auch die angebrannten Plätzchen, der akute Magen- Darm- Infekt, der empfindliche Zahn und Muttis Demenz. Dabei fühlte ich mich mit all denen die ich liebe innig verbunden was sicher auch daran lag, daß sie sich via whats app direkten Zugang zu meiner Küche und somit auch zu meinem Herzen verschafften . . . 

So fand mein Heilig Abend in diesem Jahr in der Küche statt mit Tannenbäumchen, schönen Erinnerungen, gutem Buch, heißem Kakao und duftenden Bratäpfeln; ich will mal schauen, ob noch etwas von der Vanillesoße übrig ist und vielleicht beiße ich dem Schokoladenweihnachtsmann gleich noch den Kopf ab . . .  

Angelika



 






Montag, 4. Dezember 2017

DIY Nikolausstiefel

 


Die Idee ist nicht neu und sie hätte auch von mir kommen können: ich nehme eine ausgediente Jeanshose, schneide daraus für jeden Nikolausstiefel zwei identische Teile in Stiefelform zu und appliziere darauf, vor dem Zusammen-nähen, Flicken in Herz- oder beliebig anderer Form. Dann durchsuche ich meine Bänderschachtel nach Resten von Borten, Spitzen und Litzen und verziere damit den Stiefelschaft und die Stiefelspitzen. 




Das geschieht, ebenso wie das Zusammennähen, in kleinen Zickzackstichen mit der Nähmaschine und am besten so richtig schön shabby ! Das heißt, ich vergesse alles, womit mich meine Handarbeitslehrerin früher gequält hat und nähe munter drauf los ohne zu Säumen, zu Heften oder gar die Fäden zu vernähen. Shabby ist wunderbar für Menschen wie mich die entweder ihr Lesebrille nicht finden oder die weder Geduld noch Fingerfertigkeit besitzen um pingelig genau zu arbeiten. Einfach machen ohne viel und lange zu planen und zu überlegen, einfach loslegen weil´s Spaß macht. Es erinnert mich ein wenig daran, wie unbefangen ich als Kind an die Dinge heranging; heutzutage stehe ich mir mit meinem Perfektionismus oft selbst im Weg. 

Das Verzieren macht besonders viel Freude und darf, je nach dem wie groß der Fundus ist und wieviel Zeit zur Verfügung steht, gerne etwas üppiger ausfallen.




Zwischendurch betrachte ich zufrieden meine Werke bei einer Tasse Kaffee, es ist schon erstaunlich, wie entspannend kreatives Schaffen sein kann wenn man es ohne Zeitdruck und völlig selbstvergessen tun kann. 

Zum Schluß erhält jeder Stiefel eine Schlaufe zum Aufhängen und je nach Lust und Laune Schleifen und kleine Glöckchen an dünnen Bändern; diese klingeln leise sobald man mit der Hand in den Stiefel greift um daraus etwas Süßes zu stibitzen.  

Angelika
                                               

 
Farbenfrohe Näharbeit



Freitag, 1. Dezember 2017

Lichtgestalt



Als Lucia vor zwei Jahren zu mir kam, waren die Taschen ihres Shabby-Kleides prall gefüllt; sie zog an einem kalten Adventssonntag bei mir ein, nahm Raum in meiner Wohnung und in meinem Herzen denn es fällt leicht jemandens Herz zu erobern mit einem verschmitzten Lächeln und liebevollen kleinen Geschenken. So hatte sie ein leichtes Spiel mit mir und nur zu gerne ließ ich mich an jedem Morgen im Advent von ihr überraschen . . . 

Lucia verbringt die Zeit von Januar bis Ende November in einem Koffer hoch oben auf dem Schrank, gleich bei dem Tannenbaumschmuck und den Lichter- ketten. Pünktlich zum Advent hat sie nun ihren angestammten Platz wieder eingenommen, das Kleid, so gut wie möglich glattgestrichen und mich erwartungsvoll angelächelt. 

Die Taschen ihres Kleides sind leer und es macht keinen Sinn, dass ich sie selber mit Süßigkeiten fülle um diese an jedem neuen Vorweihnachtsmorgen zum Naschen heraus zu holen . . . 

Aber ich will Lucias Taschen füllen, nicht alle auf einmal sondern an jedem Tag bis Weihnachten eine. Ich will sie füllen mit dem was der Tag mir schenkt; 24 Tage, 24 Taschen und am Ende eines jeden Tages möchte ich etwas in das jeweilige Täschchen tun, etwas, das ich von diesem Tag zurückbehalten habe, etwas, das mich daran erinnert was ich Schönes getan oder erlebt habe. Vielleicht sind es ganz kleine Dinge wie ein Stein, gefunden auf dem Weg nach Haus oder ein Lebkuchenmann, selbstgebacken und schön verpackt. Vielleicht eine Postkarte mit einem Gruß von jemandem der an mich denkt oder ein paar Zeilen die ich selbst an mich schreibe. Ja, diese Idee gefällt mir, ich fülle Lucias Taschen mit den Überraschungen die mir das Leben schenkt denn gerade jetzt, in der dunkelsten Zeit des Jahres, ist es gut, sein Augenmerk auf das zu lenken was wohl tut und schön ist; in diesem Sinne wünsche ich genügend Zeit für ganz besonders zauberhafte Vorweihnachtserlebnisse.


Angelika


Morgenrot, Blick aus meinem Küchenfenster






Dienstag, 24. Oktober 2017

Die Reise geht weiter . . .





Stufen


Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.


Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

>Hermann Hesse<





Montag, 31. Oktober 2016

Abschied



Christine

 geboren  16.01.1966    gestorben  24.10.2016



Dein Leben und Dein Leiden sind zu Ende,
möge Deine Seele in Frieden ruhen. 
 
Lass es Dir gut gehen, Schwesterherz, 
wir sehen uns in der Ewigkeit ;-)  Deine Geli 




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