Dienstag, 15. März 2016

Fremde Federn



Rechtzeitig zum Feierabend, ich hatte gerade mein Tagewerk vollbracht, löste sich die dicke Wolkendecke auf, die diesen Tag in Trübsal tauchte. Und als wäre nichts leichter als das, erstrahlte auf einmal der Himmel im kühnsten Blau und die Sonne schien mit aller, ihr an einem späten Märznachmittag gegeben Kraft. Ich begab mich garnicht erst ins Haus sondern holte gleich das Fahrrad aus dem Schuppen; wollte bloß nicht eine Minute versäumen von dem, was vom Tag noch übrig war und mich auf den Weg machen, der Sonne entgegen und ihrem Untergang, der für 18:29 Uhr vorgesehen war. 

Das Hochwasser der vergangenen Wochen war gewichen, zurück blieben Spülsäume wie am Meer; wo vor garnicht allzu langer Zeit wegen des Wassers alles unpassierbar war, säumten nun Wälle von getrocknetem Gras, kleinen Ästen, Binsen und Reet die Wege. Eingewebt in dieses, vom Wasser aufgespülte Geflecht, entdeckte ich Federn über Federn in verschiedenen Formen und Farben; es schien, als hätte Frau Holle ihre Bettdecken zu heftig ausgeschüttelt. 

Natürlich kam ich nicht umhin, einige von ihnen aufzuheben, glattzustreichen und zu bewundern; ich hätte mir einen dicken Federstrauß einsammeln können aber ich begnügte mich mit einem kleinen Gebinde mit dem ich mein Rad schmückte. Leider war es mir nicht gegeben zu erkennen, welchem Vogel die verschiedenen Federn gehörten, aber ich bilde mir ein, die schöne weiße gehörte einem Schwan  - vielleicht ?

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang, ich hatte gerade meine Federn verstaut, verschwand die Sonne, vollkommen  unspektakulär, hinterm Horizont. Und als wäre nichts leichter als das, legte sich still die Dämmerung auf die Wiesen und im letzten Licht dieses Tages radelte ich nach Haus. 

Angelika



 Ein Strauß Federn